HessischeTheaterakademie

 
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Ringvorlesung der Hessischen Theaterakademie im Sommersemester 2018

Dramaturgien der Theaterarchitektur

Kuratiert von Prof. Dr. Nikolaus Müller-Schöll (Goethe-Universität, Theaterwissenschaft)

Sommersemester 2018, donnerstags 18-20 Uhr ab 19. 4., wechselnde Räume

Im Rahmen der HTA-Ringvorlesung sollen im Verlauf des Sommersemesters anlässlich der gerade erst begonnenen Debatte um die Sanierung oder den Neubau der städtischen Bühnen in Frankfurt die mit dieser Debatte aufgeworfenen grundlegenden Fragen mit Gästen aus Architektur, Theater, Philosophie, Medien- und Theaterwissenschaft diskutiert werden. Wird in der neueren Dramaturgieforschung nicht selten davon gesprochen, dass Dramaturgie sich mit der Architektur der Aufführung (vgl. Behrndt 2008) beschäftige, so soll im Verlauf der Ringvorlesung dem entgegenlaufend nach den mit Architektur im allgemeinen, vor allem aber mit Theaterarchitektur verbundenen Dramaturgien gefragt werden: Nach der Zeitlichkeit, Rhythmisierung und Erzählung, die mit Architektur verbunden sind, aber auch nach den durch ihre Strukturen geschaffenen Widerständen und Möglichkeiten. Dies soll in den verschiedenen Beiträgen konkret am Beispiel der städtischen Bühnen, aber darüber hinaus auch allgemein in vergleichender Perspektive mit Blick auf neuere und ältere Bühnenformen untersucht und diskutiert werden. Theaterarchitektur, so lautet dabei die Ausgangshypothese, kann als gebaute Ideologie – das Wort im Sinne des frühen Marx begriffen – verstanden werden: Als unumgängliche Möglichkeitsbedingung des Erscheinens, die das Erscheinende je spezifisch prägt und verändert. Als solche ist sie Teil des Dispositivs gegenwärtigen Theaters in all seinen Spielformen. Während die „Flucht aus den Häusern“ in den 70er-Jahren – in Steinbrüche, Fabrikhallen, Werften oder an öffentliche Orte – die Begrenzung und Konditionierung des Theaters in den überkommenen Häusern auf plakative Weise verdeutlichte, hat sich im Zuge neuer Theaterbauten und einer fortgeschrittenen Untersuchung der älteren Theaterarchitekturgeschichte zunehmend die Diskussion dahingehend verändert, dass gefragt wird, wie der jeweilige architektonische Rahmen eine je andere Ordnung des Sehens und Gesehenwerdens ins Werk setzt. Die Architektur des Theaters erscheint dabei als Ort, an dem allgemeinere Interessen der Politik, der Ökonomie, der Städteplanung und des gesellschaftlichen Austauschs, praktische Fragen des Theatermachens und ästhetische Fragen zusammenkommen. Ausgehend von der konkreten Frankfurter Situation, jedoch diese in den größeren Kontext der mit ihr aufgerufenen Fragen stellend, werden in der Ringvorlesung Architekten, die Erfahrung mit Theaterbauten gesammelt haben, Künstler die sich in der einen oder anderen Weise mit dem Verhältnis von Theaterbauten und -produktionen beschäftigt haben sowie einschlägig ausgewiesene Experten aus Architekturtheorie, Philosophie, Medien- und Theaterwissenschaft zu Beiträgen eingeladen. Die Vorlesungsreihe steht im Zusammenhang mit einer Serie von Veranstaltungen der Professur für Theaterwissenschaft unter dem Obertitel „Welches Theater für welche Stadt?“, zu der im Sommersemester 2018 auch ein Seminar zum Thema „Theater als Kunst im Apparat“ gehört. Sie wird vom 25.-27. Oktober mit einer durch öffentliche Vorträge und Gespräche erweiterten Master Class zum Thema „Implosion der Institution Stadttheater? Geschichte, Analyse, Perspektiven“ fortgesetzt.

Termine:

19. 4. HfMDK: Nikolaus Müller-Schöll (Frankfurt): Gebaute Ideologie. Oder: Welche Theaterarchitektur für welche Stadt? Einführung.

26. 4. HfMDK: Bernhard Waldenfels (Bochum/München): Architektur als Raumbildung und Ortssuche

3. 5. Künstlerhaus Mousonturm: Susanne Traub/Fabrice Mazliah/Johan Betum (München/Frankfurt): Performing Architecture

17. 5. Adorno-Hörsaal (H VI): Rembert Hüser (Frankfurt): Grau werden.

7.6. Künstlerhaus Mousonturm: Für ein Theater, das wir noch nicht kennen. Gespräch mit Heiner Goebbels (Frankfurt).

14.6. Künstlerhaus Mousonturm: Serge von Arx (Professor für Szenographie, Norwegische Theaterakademie): "Das Theatrale in der Stadt"

28. 6. Frankfurt LAB: Stadt. Raum. Theater. Gespräch mit Philipp Oswalt (Kassel, Berlin).*

5.7. HfMDK: Ulrike Haß (Bochum, Berlin): Am Ende der Straße. Zum Gefüge des Stadttheaters.

12. 7. HfMDK: Juliane Votteler (Stuttgart): Dann mach nur einen Plan“ – (k)ein Theater für Augsburg?

HfMDK, Eschersheimer Landstraße 29, 60322 Frankfurt/M., Raum A 207 Künstlerhaus Mousonturm, Waldschmidtstr. 4, 60316 Frankfurt/M. Adorno Hörsaal (H VI), Hörsaaltrakt Bockenheim, Gräfstr. 50-54, Frankfurt LAB: Schmidtstraße 12

*Voraussichtlich anlässich der Eröffnung der Übernahme einer Ausstellung, die Entwürfe von Architekturstudenten aus Kassel (Klasse von Philipp Oswalt) für den Bau einer temporären Theaterspielstätte auf dem Goethe-Platz zeigt. (Details tbc)