HessischeTheaterakademie

 
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mit Studierenden der HTA

RUTHNOTRUTHNORUTHNOTRUTH

Eine audiopoetische Installation + Lesung/Performance Nach Motiven des biblischen Buches Ruth.

Von und mit: Hannah-Hanbiel Choi, Andrea Geißler, Tobias Hagedorn, Antonia Hilsberg, Alrun Hofert, Anne Kapsner, Marlen Katz, Verena Katz, Monja Lalotra, Meike Weigel und Milena Wichert.

Eine Schlaufe durchschneidet zwei Orte, eine zweite, kleinere schneidet nur den einen Ort, eine Gerade verbindet beide Orte in einer Linie. Solchermaßen verlaufen die Lebens- und Migrationswege dreier Frauen; Orpa, die Frau der kleineren Schlaufe erzählt ihre Geschichte in Abwägung der anderen Linien. Warum hat sie sich zur Umkehr entschlossen und den zweiten Ort nie erreicht? Orpa steht zwischen Noomi und Ruth, die aus ihrem biblischen Narrativ heraus feministische Themen vorgaben; Orpa ist die Unerzählte, die Rückenkehrende. Elektroakustische Musik reflektiert Motive und Materialien der Erzählung und verändert ihr Spektrum. In der
Performance ist Orpas Erzählung eine Struktur aus Text und musikalischen Einschlüssen, nach dem Verklingen von Sprache und Ton wird es sich auflösen wie ihre Anwesenheit im biblischen Text.
Vita Sackville-West hatte einst einen Garten angelegt, den sie ihrem Sohn Nigel Nicholson vermachte. Entgegen Vitas Wunsch befindet sich der Garten heute im Besitz der britischen Verwaltung. Vitas Freundin Virginia Woolf machte sich nichts aus geordneten Gärten und Vitas riesenhaften Elchhunden. Sie fragte danach, wie Frauen sich einen eigenen Raum nehmen und wie sie sich in die literarische Tradition einschreiben oder ihr etwas entgegensetzen können.
Was heißt es, einen eigenen Raum zu haben - in früheren Zeiten und heute? Eine autobiografische Reflexion berichtet von eigenen, kindlichen Freiräumen in einem Garten, zu dem es später wegen eines Erbstreits keinen Zugang mehr gibt, in Auslegungen des Buches Ruth werden andere Konflikte zwischen patriarchalem Erbe und feministischer Tradition ausgesprochen. Ihr teils verschobenes, teils verzahntes Verhältnis zueinander begleitet den Weg, der in Schlaufen zur Geschichte von Orpa führt. Das Nachdenken ist dabei nur noch als audiopoetische Erinnerung am Wegesrand der Installation aufbewahrt.

Aufführungen

04.02.2016, 18.30 Uhr, Landungsbrücken Frankfurt