HessischeTheaterakademie

 
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mit Schauspielstudierenden

demut vor deinen taten baby

von Laura Naumann

Regie:
Magz Barrawasser

Ausstattung
Magz Barrawasser

Dramaturgie
Franz Burkhard

Besetzung
Johanna Franke (4. Jahr Schauspiel), Lisa-Marie Gerl, Victoria Schmidt

Es riecht nach Frühling und Geburt und die Vögel singen auch und irgendein goldener Glitzer liegt auf uns allen drauf. Die Welt ist schön. Alles ist gut. Überall Happiness. Eben noch saßen Bettie, Mia und Lore hilflos auf den Klokabinen eines evakuierten Flughafengebäudes und erwarteten einen Terroranschlag. Doch der herrenlose Koffer explodiert nicht, die drei jungen Frauen werden befreit. Jetzt herrscht pure Euphorie. Sie sind noch einmal davongekommen. Dieses Gefühl ist so einmalig und berauschend, dass sie es teilen wollen. Es soll schön werden, für alle soll Glück herrschen und Freundschaft. Also entwickeln sie den Anschlagssimulator, eine Performance, bei der die drei als vermeintliche Terroristinnen Discos und Supermärkte überfallen. Sie verbreiten Angst und Schrecken, um dann ‚gerettete‘ Menschen voller Lebensfreude zurückzulassen. Ihr Plan geht auf: Die Bevölkerung wird fröhlicher, unbedarfter. Bettie, Mia und Lore reisen durch die ganze Republik und werden zu gefeierten Stars. Die Regierung kauft ihr Konzept, das Trio zieht ins schicke Großraumbüro nach Berlin. Von nun an heißt es: Stimmung machen im Dienste des Staates. Aber irgendwann jagen sie niemandem mehr Angst ein. Ihr Ansatz greift ins Leere. Gleichzeitig kündigen die sorglosen Bürger ihre Versicherungen, holen das Geld von ihren Konten, niemand geht mehr arbeiten. Das System ist gefährdet. Damit wieder stabile Verhältnisse einkehren, müssen die drei noch einmal ran: Diesmal mit geladenen Waffen.
Was kann der einzelne gegen das System ausrichten? Was kann Kunst leisten? Und wird nicht sowieso jede Kreativität irgendwann inkorporiert? Laura Naumanns 2012 uraufgeführtes Stück ist eine böse und hochintelligente Satire auf vermeintlich widerständige Kunst und Performances, die längst Teil des Systems geworden sind, das sie kritisieren wollen. Gleichzeitig schreibt sie gegen das Gefühl, sich immer neu erfinden zu müssen, sein (Arbeits) -leben zu ‚performen‘. Mit spitzer Feder und im Stakkatotempo porträtiert Naumann eine Generation, in der Sinnsuche und Selbsterfindung zur vorherrschenden Thematik geworden sind.

Drei junge Frauen haben eine Mission: ihren Mitmenschen erst Todesangst einzujagen, um sie dann umso glücklicher zu machen. Ihre absurde Performance erobert die Welt – bis sie Opfer ihres eigenen Erfolges werden.

Aufführungen

24.04.2016, 19.30 Uhr, Landestheater Marburg
06.03.2016, 19.30 Uhr, Hessisches Landestheater Marburg
04.03.2016, 19.30 Uhr, Hessisches Landestheater Marburg
27.02.2016, 19.30 Uhr, Hessisches Landestheater Marburg