HessischeTheaterakademie

 
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MA Dramaturgie

Prof. em. Dr. Ulrike Haß (Bochum/Frankfurt)

Aischyleische Kosmologie. Zur Frage des Horizonts im Prometheus-Fragment

Antrittsvorlesung im Rahmen der Friedrich Hölderlin-Gastvorträge in Allgemeiner und Vergleichender Theaterwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt

Im 18. und 19. Jahrhundert wurde Prometheus zum Sinnbild des Menschen stilisiert, der gegen die Tyrannis der Vatergötter rebelliert und als freies Wesen durch Irrtümer hindurch zu seiner Selbstverwirklichung und Vollendung voranschreitet. Diese anthropozentrische Sichtweise beruht auf erheblichen Verkürzungen des aischyleischen Fragments, das entsprechend seiner Antipoden zwei Legenden aufweist: die anthropologische Erzählung des Prometheus und die Theogonie des Zeus. Beide sind eingebettet in die Erzählung einer Kosmologie, die keine Lehre wiedergibt, sondern eine kosmische Topologie entfaltet, die in sich völlig ratlos ist. Inmitten dieser Kosmologie gerät Prometheus zu einem Ereignis, das seinen Horizont definitiv nicht in einer zu sich selbst voranschreitenden Menschheit hat.
Die Kosmologie des Aischylos räumt den materiellen Kräften einen aktiven Part ein. Sie haben am Werden der Welt teil. Sie verlangen eine andere Aufmerksamkeit dafür, wie das „Menschliche“ und seine „Gegenspieler“ unterschieden oder überhaupt begriffen werden könnten. Das Fragment des Aischylos räumt den materiellen Kräften einen aktiven Part ein. Sie haben am Werden der Welt teil. Sie verlangen eine andere Aufmerksamkeit dafür, wie das „Menschliche“ und seine „Gegenspieler“ unterschieden oder überhaupt begriffen werden könnten. Das Fragment des Aischylos führt uns mit Io oder dem Vogel-Mädchen Chor der Okeaniden Träger dieser anderen Aufmerksamkeit vor, die Grenzgestalten des Weiblichen bilden. In ihrem Horizont zeigt sich das Menschliche als etwas, das sich unter heterogenen, belebten und vermeintlich unbelebten Kräften und Geschöpfen vorfindet. Falls es sich positioniert, geschieht dies unter anderen, weniger inmitten als am Rand.

Auf Deutsch.

Aufführungen

25.04.2017, 18.00 Uhr, Künstlerhaus Mousonturm, Waldschmidtstraße 4, 60316 Frankfurt am Main