HessischeTheaterakademie

 
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MA Dramaturgie

Heike Roms / Aberystwyth University

Ereignis und Evidenz: Eine Historio-Dramaturgie der Performance

im Rahmen der Friedrich Hölderlin-Gastvorträge in Allgemeiner und Vergleichender Theaterwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt

Rekonstruktionen und Reenactments vergangener Werke, Installationen von medialen Artefakten und anderen Spuren, Oral History-Zeugnisse als Material für Tanzproduktionen und spielerisch umgesetzte Archivbildungen: die Performance-Kunst ist derzeit stark von Strategien der künstlerischen Selbsthistorisierung geprägt. Diese wirken verstärkt auch auf die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte: Forscher bedienen sich zunehmend performativer Verfahren, die der künstlerischen und kuratorischen Praxis entlehnt sind, um sich der Geschichte vor allem der Performance-Avantgarde der sechziger und siebziger Jahre zu nähern. Wie dargelegt werden soll, sind solche Verfahren nicht als historio-grafisch (also als mit dem Schreiben von Geschichte befasst) anzusehen, sondern als historio-dramaturgisch, als Weisen der performativen Hervorbringung, Inszenierung und medialen Vermittlung von geschichtlicher Evidenz. Ein solches Modell einer Historio-Dramaturgie bezieht sich auf drei Quellen: Auf Hayden Whites Vorschlag einer „Historiophoty“ (1988), d.h. einer filmischen Darstellung der Geschichte analog zur schriftlichen Historiografie; auf Modelle des Ethnographen als „Ethnodramaturgen“, als eine Art Produzent kultureller Szenarien, wie sie von Viktor Turner (1979) und Johannes Fabian (1999) entwickelt wurden; und auf neue Auffassungen von Dramaturgie als Praxis einer szenischen Forschung und Wissensbildung. Vortrag in deutscher und englischer Sprache.

Heike Roms ist Professorin für Performance Studies an der Universität Aberystwyth (Wales). Forschungsinteressen: Performance-Avantgarde der 1960er und 1970er Jahre, Dokumentation und Archivierung von Performance-Kunst, Performance-Historiografie und performative Wissensmodelle. Zahlreiche Publikationen, u.a.: Contesting Performance – Global Sites of Research (with Jon McKenzie and C.J.W.-L. Wee, 2010); On Dramaturgy (2009) On Archives and Archiving (2002); What’s Welsh for Performance? (2008); Silent Explosion: Ivor Davies and Destruction in Art (2015). 

Aufführungen

23.05.2017, 18.00 Uhr, Campus Westend, IG Farben-Haus, Raum 1.411