HessischeTheaterakademie

 
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von Studierenden der HTA

DER PROZESS

Nach dem Roman von Franz Kafka

Regie / Inspizienz: Philip Lütgenau
Bühne / Ausstattung: Yuqiao Wu (HfG Bühnen- und Kostümbild)
Musik / Soundkonzept: Michael Lohmann
Dramaturgie: Matthias Döpke
Regieassistenz: Moritz Nosiadek
Hospitant Musik: Benjamin Imhof
Mit: Lisa-Marie Gerl, Maximilian Heckmann, Thomas Huth, Camil Morariu, Victoria Schmidt

Richtiges Auffassen einer Sache und Missverstehen der gleichen Sache schließen einander
nicht vollständig aus. Kafkas Jahrhundertroman “Der Prozess” thematisiert Erfahrungen, die
alle modernen Massengesellschaften prägen: Selbstentfremdung, Vernichtungsängste,
Desorientierung, Anonymität und die “Erfassung” des Menschen in Form von Daten und
Akten. Der Bankangestellte Josef K. wird eines Morgens verhaftet. Grund oder Inhalt einer Anklage werden niemals formuliert. K. darf sein alltägliches Leben zwar weiterhin in Freiheit führen, trotzdem lasten fortan unweigerliche ein Gefühl der Ohnmacht sowie die Frage nach Schuld auf ihm. Auf der Suche nach Antworten scheint er stets nur Spielball einer undurchschaubaren bürokratischen Ordnung zu bleiben. K. steht einem System gegenüber, das nicht nur seinem eigenen Regelwerk folgt, sondern sich auch in allen Lebensbereichen manifestiert: in der Arbeit, in den zwischenmenschlichen Beziehungen, sogar in der Kirche findet K. plötzlich Angehörige dieses Gerichts. Er verliert sich in Affären und Ablenkungen, anstatt der Aufforderung nachzugehen, “mehr an sich” zu denken und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Doch was ist das Wesentliche? “Der Prozess” gilt als Kafkas Hauptwerk, mit Sicherheit ist es sein weltweit bekanntestes, meistzitiertes Werk. Auch der Begriff “kafkaesk” wird am häufigsten im Zusammenhang mit Situationen verwendet, die den Erlebnissen des Angeklagten Josef K. ähneln: die Erfahrung einer absurden, lebensfeindlichen und sich verselbstständigenden Bürokratie. Der Roman, zwischen 1914 und 1915 entstanden, Fragment geblieben und posthum gegen den letzten Willen des Autors erschienen, spiegelt das Lebensgefühl in großen sozialen Systemen, in denen “Information” eine Ware darstellt und dem Individuum keinen Sinn vermittelt, der über das schlichte Funktionieren des Systems hinausreichen würde.

Aufführungen

16.12.2017, 19.30 Uhr, Landestheater Marburg
14.12.2017, 19.30 Uhr, Landestheater Marburg
08.12.2017, 19.30 Uhr, Premiere, Landestheater Marburg