HessischeTheaterakademie

 
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HTA Ringvorlesung

Dramaturgien für Zuspätkommende oder für ein Theater der Großzügigkeit

Sandra Umathum

Sandra Umathum ist Theaterwissenschaftlerin und freie Dramaturgin. Sie studierte Theaterwissenschaft, Anglistik, Italianistik und Philosophie in Berlin und Wien. 2008: Promotion mit Kunst als Aufführungserfahrung, einer Studie über intersubjektive Erfahrungen in der Ausstellungskunst (transcript 2011). 2010-2012: Vertretungsprofessorin für Dramaturgie an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig (halbierte W3 von Carl Hegemann); 2013-2018: Professorin für Theaterwissenschaft und Dramaturgie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin. 1998-2002: Mitarbeit bei verschiedenen Projekten von Christoph Schlingensief. Sie ist Herausgeberin u.a. von Disabled Theater (gem. mit Benjamin Wihstutz; diaphanes 2015) und Postdramaturgien (gem. mit Jan Deck; erscheint 2019 bei Neofelis). Forschungsschwerpunkte sind Theorie und Praxis des Gegenwartstheaters und der Performance Kunst; Relationen von Theater, Performance und Bildender Kunst seit den 1950er Jahren; Performance und/als Dokumentation; zeitgenössische Ansätze und Perspektiven der Dramaturgie. Zur Förderung junger Performance-Künstler*innen kuratiert sie in den Berliner Sophiensaelen 2018/19 die vierteilige Veranstaltungsreihe Dirty Debüt (gemeinsam mit Björn Pätz und Joshua Wicke).

In der Befragung von möglichen Dramaturgien beschäftigt sich Sandra Umathum mit Inszenierungen, die das Abschweifen und die Zerstreuung von Rezipient*innen bereits konzeptuell mit einplanen, weil sie diese nicht als notwendig zu akzeptierendes Übel denken, sondern als eine Qualität. Im Verhältnis zu den Arbeiten, die sich mithilfe sämtlicher Raffinessen um die Konzentration und ungeteilte Aufmerksamkeit ihrer Zuschauer*innen bemühen, kennzeichnet die gemeinten Inszenierungen eine auffällige Großzügigkeit: Sie genehmigen oder provozieren sogar die Unaufmerksamkeit, den selbst gewählten Ein- und Ausstieg aus dem Bühnengeschehen, bisweilen sogar ein Kommen und Gehen. Der Vortrag fragt nach dem Zusammenhang von Dramaturgie, Entdisziplinierung und ästhetischer Erfahrung und außerdem nach den politischen Implikationen eines Theaters, das sich mit Zuspätkommenden gut zu arrangieren weiß.

Aufführungen

13.12.2018, 19.00 Uhr, Studio des MA CoDE, Eschersheimer Landstraße 50, im Gebäude des Handelsblatts, Eingang um die Ecke