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TO DO AS IF – Realitäten der Illusion im zeitgenössischen Theater

Tagung der Junior Sience and Teaching Unit am Insitut für Angewandte Theaterwissenschaft der JLU Giessen

Beteiligte: Sebastian Blasius, Martin Doll, Yan Duyvendak, André Eiermann, Bernhard Greif und Ferdinand Klüsener, Ulrike Haß, Hofmann & Lindholm, Bojana Kunst (featuring Ivana Müller), Stephanie Metzger, Nikolaus Müller-Schöll, Boris Nikitin, Gerald Siegmund, Benjamin Wihstutz. / Veranstaltet von Dr. André Eiermann (Junior Science and Teaching Unit am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen), Mitarbeit: Anna Schewelew.

Wenn in Bezug auf Theater von Illusion die Rede ist, denkt man in der Regel nicht ans zeitgenössische Theater. Schließlich ist gegen das, was gemeinhin unter 'Illusionstheater' verstanden wird, seit den Experimenten der historischen Avantgarden und Bertolt Brechts anti-illusionistischen Forderungen und Maßnahmen einiges unternommen worden. Selbst vom guten alten Als-ob ist – seit dieses von der Performance Art ins Visier genommen und im Zuge transgressiver 'Einbrüche des Realen' von der Bühne verscheucht wurde – im Hinblick auf zeitgenössisches Theater nicht mehr allzu oft die Rede – es sei denn, um zu beschreiben, was dieses Theater nicht ist.

Gerade mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen der szenischen Kunst ist jedoch zu bemerken, dass nicht nur durchaus häufig mit Formen des Als-ob gespielt wird, sondern dass es sich bei nicht wenigen dieser Formen auch um solche handelt, die als illusionserzeugend beschrieben werden können – wobei sie nicht etwa auf die geschlossene Darstellung fiktiver Realitäten verpflichtet sind, sondern vielmehr gerade auf die Reflexion der Aufführungsrealität zielen: Vorproduzierte Video-Aufzeichnungen werden als Live-Wiedergaben des Bühnengeschehens ausgegeben, Performer bewegen ihre Lippen zu Playback-Stimmen, Körperteile scheinen sich zu verselbständigen, oder Nachbildungen von Gegenständen wirken täuschend echt – kurz gesagt: Illusion ist im zeitgenössischen Theater Realität.

Mit dem Ziel, den Konsequenzen nachzugehen, die sich aus dieser Beobachtung für die Beschreibung des zeitgenössischen Theaters und der in seinem Zusammenhang möglichen ästhetischen Erfahrungen ergeben, versammelt die Tagung theaterwissenschaftliche und künstlerische Positionen, die sich in Vorträgen und Performances mit den Spielformen des Als-ob und den damit verbundenen Realitäten der Illusion im zeitgenössischen Theater auseinandersetzen.

Gefördert durch die Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung, die Hessische Theaterakademie (HTA), das Kulturamt der Stadt Gießen, das Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen, das Postdoktorandenprogramm Just’us (Junior Science and Teaching Units) der Justus-Liebig-Universität Gießen und das Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI) der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Aufführungen

06.07.2012–07.07.2012, Margarete-Bieber-Saal der JLU Giessen, Ludwigstrasse 34, Giessen