HessischeTheaterakademie

 
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MA Dramaturgie

Samuel Weber: Gegen den Rhythmus? Zu Hölderlins Anmerkungen zum Ödipus und zur Antigone

Friedrich Hölderlin-Gastvortrag in Allgemeiner und Vergleichender Theaterwissenschaft

Eine Veranstaltung des Lehrstuhls Theaterwissenschaft am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Leitung: Prof. Dr. Nikolaus Müller-Schöll / Kooperation mit dem Erasmus Mundus Program in Performing Arts, der Hessischen Theaterakademie und dem Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität

Hölderlins Theorie der Zäsur ist verschiedentlich von der neueren Forschung untersucht worden: Benjamin, Lacoue-Labarthe und Tholen haben darin eine entscheidende Wendung der Ästhetik gesehen. Weniger rezipiert wurde allerdings die genaue Formulierung, die Hölderlin für seine Theorie der Zäsur gebraucht, dass er sie als „gegenrhythmische Unterbrechung“ bezeichnet. Vielleicht erschien diese Formulierung bisher zu selbstverständlich, um nähere Betrachtung zu verdienen. Dennoch stecken im Wort „gegen-“ so viele verschiedene, teilweise untereinander gegenstrebige semantische Möglichkeiten, dass erst eine Reflexion darauf den Weg öffnen kann, um der Bedeutung der „Zäsur“, die Hölderlin auch als das „reine Wort“ und als „Vorstellung selber“ bezeichnet, näher zu kommen. Eine derartige Reflexion jedoch stellt heraus, dass gerade das Wort „gegenrhythmisch“ den Weg zu einem besseren Verständnis der Zäsur als reines Wort und als Vorstellung andeutet, und dass dieser Weg zum Raum als Bühne führt. Was sich dann auf dieser Bühne abspielt, kann als Entgegnung bezeichnet werden.

Samuel Weber ist Professor of Humanities an der Northwestern University in Evanston und Direktor des Paris Program in Critical Theory, sowie Professor an der European Graduate School in Saas-Fee. Er hat an verschiedenen europäischen und amerikanischen Universitäten gelehrt, u.a. an der Freien Universität Berlin, der Johns Hopkins University, dem UCLA und dem Collège International de Philosophie in Paris. Darüber hinaus arbeitete er als Übersetzer (Derrida, Adorno) und als Dramaturg, etwa an der Oper Frankfurt und am Staatstheater Stuttgart. 2005 berief ihn die American Academy of Arts and Sciences zu ihrem Mitglied, 2009 wurde er zum Chevalier des Palmes Académiques ernannt. Schwerpunkte seiner Forschung liegen auf der Kritischen Theorie, der Dekonstruktion und der Medientheorie. Zu seinen wichtigsten Publikationen gehören: Rückkehr zu Freud. Jacques Lacans Ent-Stellung der Psychoanalyse (1978), Institution and Interpretation (1987), Mass Mediauras: Form, Technics, Media (1996), Theatricality as Medium (2004), Geld ist Zeit. Gedanken zu Kredit und Krise (2005), Benjamins –abilities (2008).

Aufführungen

31.01.2013, 18.00 Uhr, Uni Campus Westend, Grüneburgplatz 1, Raum IG 411