HessischeTheaterakademie

 
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MA Dramaturgie

Strategien des Imperfekten – ästhetische Revolten und Anti-Kunst der 60er Jahre

Friedrich-Hölderlin-Gastvorträge

Christian Schulte (Universität Wien)

Die politischen Aufbrüche der späten 1960er Jahre haben in den künstlerischen Formen, die sich am Beginn des Jahrzehnts entwickeln, ihre seismographischen Vorläufer. Im Anschluß an die historischen Avantgarden brechen die Neoavantgarden der Nachkriegszeit (Fluxus, Happening, Performancekunst) aus den Ressorts des Kunstbetriebs aus und stellen den Werkbegriff zur Disposition. Das dérive und détournement der Situationisten, das die Funktionslogik des urbanen Raums durch zielloses Flanieren und zweckentfremdende Interventionen irritieren sollte, ist hier ebenso zu nennen wie Beuys’ soziale, den Menschen in seiner Potentialität begreifende Plastik oder die ikonoklastischen Ansätze des Autorenfilms, der bei Kristl, Kluge oder Straub/Huillet zu einem „Kino der Erfahrung“ avanciert. All diese Ansätze schließen sich zu einer Versuchsanordnung zusammen, die sich als Kriseninterventionismus mit ästhetischen Mitteln charakterisieren ließe. Ihr Ziel ist die Schulung der Vorstellungskraft.

Christian Schulte ist Professor für Theater- und Medienkulturen der Neuzeit an der Universität Wien. Zuvor war er als Redakteur bei der DCTP/Entwicklungsgesellschaft für Fernsehprogramme und als Medienwissenschaftler am Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) Karlsruhe tätig. Zudem arbeitete er als freier Publizist für Presse, Hörfunk und Fernsehen und als Kurator von Filmwerkschauen. Er lehrte an den Universitäten Osnabrück, Bremen, Berlin (FU) und Potsdam. Zu seinen wichtigsten Bücher zählen: Die Schrift an der Wand – Alexander Kluge: Rohstoffe und Materialien (Hg., 2000; Neuauflage 2012); Der Text ist der Coyote. Heiner Müller Bestandsaufnahme (Mit.-Hg. 2004); Walter Benjamins Medientheorie (Hg., 2005); Vlado Kristl. Die Zerstörung der Systeme (2010).

Aufführungen

06.06.2013, 18.00 Uhr, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend, I.G.-Farben-Haus, Raum 1.411