HessischeTheaterakademie

 
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MA Dramaturgie

Krassimira Kruschkova (Tanzquartier Wien): Nichtstun. Zur Haltung von Tanz und Performance heute

Friedrich Hölderlin-Gastvorträge in Allgemeiner und Vergleichender Theaterwissenschaft

Eine Veranstaltung der Professur für Theaterwissenschaft am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Nichtstun. Nicht jenseits, diesseits der Zeit. Faulsein: ein instabiles Nichts ohne Konjunktur in unserem völlig ökonomisierten Heute. Verweigern. Ein Akt diesseits der Passivität, der zu seiner eigenen Potentialität zurückführt. Far niente. Lieber nicht. Bartlebys entwaffnende Resistenz ohne Referenz. Kafkas Hungerkünstler erklärt „mit wie zum Kusse gespitzten Lippen“, dass er hungert: „weil ich nicht die Speise finden konnte, die mir schmeckt“. Keine effiziente Flexibilität, aber auch kein nihilistisches Spiel, vielmehr ein sinnlicher, affirmativer Verzicht als Positionierung. Zeitverschwendung. Zurückhaltung. Als politische Haltung. Als ‚postkonzeptuelle‘ Haltung von Tanz und Performance heute, mehr als optional, ethisch. Ein stets anders verworfener Entwurf, um sich dem Verworfenen zu öffnen. Intensiv dem Nichts ausgesetzt. Um nicht konsumiert, nicht vereinnahmt zu werden. Um sich nicht allein als tätiges Subjekt definieren zu lassen. Menschen können sich weigern. Ausharrend im Unentscheidbaren. Ein zeitkritischer Apostroph. Aber wie sich am affirmativen Widerstand entlang bewegen? Und wie diese instabile Passivität proben? Wie die eigene Fragwürdigkeit vollziehen?

Krassimira Kruschkova ist Leiterin des Theorie- und Medienzentrums am Tanzquartier Wien und Dozentin für Theater- und Performancetheorie an der Akademie der bildenden Künste Wien. Nach Abschluss ihres Studiums der Theater- und Filmwissenschaft in Sofia arbeitete sie als wissenschaftliche Assistentin am Institut für Literaturtheorie der Universität Sofia. 2002 habilitierte sie an der Universität Wien über „Szenische Anagramme. Zum Theater der Dekonstruktion”. Gastprofessuren an der Universität Wien und an der FU Berlin. Zahlreiche Publikationen, u.a.: Ob?scene. Zur Präsenz der Absenz im zeitgenössischen Theater, Tanz und Film (Hg. 2005); It takes place when it doesn’t. On dance and performance since 1989 (Mit-Hg., 2009); Dies ist kein Spiel (Mit-Hg., 2009); Ungerufen: Tanz und Performance der Zukunft / Uncalled. Dance and performance of the future (Mit-Hg. 2009). Sie ist Mit-Herausgeberin des Magazins SCORES (The skin of movement, 2010, Touché 2011; What escapes, 2012; Uneasy going, 2013).

Kooperation mit dem Erasmus Mundus Program in Performing Arts, der Hessischen Theaterakademie und dem Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität.

Aufführungen

17.12.2013, 18.00 Uhr, Goethe-Universität, Campus Westend, IG Farben-Haus, Raum 1.411