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MA Dramaturgie

Gad Kaynar (Universität Tel Aviv): Macht Arbeit Frei? The Holocaust and Nakba as Homeopathic Traumas and Deep Structures in Israeli Theatre

Friedrich Hölderlin-Gastvorträge in Allgemeiner und Vergleichender Theaterwissenschaft

Eine Veranstaltung der Professur für Theaterwissenschaft am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Thema des Vortrags ist die Verbindung der ex- und implizit dargestellten Traumata des Holocaust und der Nakba (der palästinensischen Katastrophe als Folge des israelischen Befreiungskriegs nach 1948) im israelischen Drama. Skizziert wird eine Chronologie der israelischen Holocaust-Dramaturgie, um die Entstehung der Muster und Aufführungen der Traumata während verschiedener Entwicklungsstationen des israelischen Holocaust-Dramas zu zeigen – von der Gründung des Staates Israel 1948 bis 2012.
Dabei stützt sich der Vortrag auf Trauma-Theorien des Holocaust, auf politisch grundierte psychoanalytische Ansätze und auf meine Überzeugung, dass sowohl der Holocaust als auch die Nakba – als manipulative Erinnerungskonstrukte – gemeinschaftliche Begriffe sind, die im Hinblick auf tendenziös interpretierte aktuelle Situationen neu geformt, verändert und angeeignet werden. Daher haben wir es im Grunde mit Dramen, Inszenierungen und Performances verschiedener Holocauste zu tun. Meine Meta-Hypothese lautet, dass sich das Holocaust-Trauma als eine kollektive psycho-ästhetische Tiefenstruktur manifestiert – und dies in vielen israelischen Stücken und Aufführungen, einschließlich in Arbeiten, die anscheinend keine Verbindung mit der Shoah haben.
Aus diesem Blickwinkel werden die komplexen und sich ständig verändernden Beziehungen zwischen beiden nationalen Katastrophen im israelischen Theater untersucht – oder wie Alan Young es beschrieben hat: „Das Holocaust Trauma spiegelte sich selbst von Neuem im Nakba Trauma”, und, so lässt sich sagen, vice versa.

Gad Kaynar ist Professor für Theaterwissenschaft an der Universität Tel Aviv und lehrte als Gastprofessor in Jerusalem, München und Venedig. Schwerpunkte seiner Forschung liegen auf dem israelischen, deutschen und skandinavischen Drama und Theater, auf Theorien des Schauspiels, der Regie sowie der Dramaturgie. Er hat daneben auch als Übersetzer, Dramaturg, Regisseur, Schauspieler und Lyriker gearbeitet. Zahlreiche Publikationen, u.a.: „Special Focus: Dramaturgy“ in Theatre Research International (Mit-Hg. 2006), The Cameri Theatre of Tel-Aviv (2008), Another View: Israeli Drama Revisited (Mit-Hg. 2013), The Reality Convention in Hebrew Theatre (erscheint 2014 auf Hebräisch), German Dramaturgy at the Turn of the Millennium (geplant für 2015).

Kooperation mit dem Erasmus Mundus Program in Performing Arts, der Hessischen Theaterakademie und dem Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität.

Aufführungen

14.01.2014, 18.00 Uhr, Goethe-Universität, Campus Westend, IG Farben-Haus, Raum 1.411