HessischeTheaterakademie

 
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Veranstaltung der HTA

Andere Produktionsweisen: Tino Sehgal

Ringvorlesung der Hessischen Theaterakademie

kuratiert von der Theaterwissenschaft am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt

Tino Sehgal schafft keine Werke, sondern "Situationen". Seine Kunst nimmt ihrem Anspruch nach allein in dem Moment Gestalt an, in dem der Zuschauer ihr begegnet. Für seine Arbeiten benutzt er Interpreten, die mit den Besuchern der jeweiligen Ausstellung in Form von Bewegungen, gesprochenen Worten oder Gesang in Kontakt treten. So lässt er zum Beispiel in einer Ausstellung als Museumswärterinnen verkleidete Interpretinnen einen Satz singen wie This is propaganda, you know, you know. Seine Arbeiten, die nur in Museen oder Kunstausstellungen realisiert werden, sind käuflich und können über Monate hinweg während der ganzen Öffnungszeit aufgeführt werden. Es gibt keine Dokumentationen oder Katalogtexte; die An- oder Verkäufe der Werke finden ausschließlich durch mündliche Verhandlungen mit dem Künstler statt und bleiben daher nur in der Erinnerung aller Beteiligten bestehen.

Zusammen mit Thomas Scheibitz gestaltete Tino Sehgal 2005 den deutschen Pavillon bei der 51. Biennale in Venedig. Er gewann 2013 den Goldenen Löwen bei der Kunstbiennale in Venedig. Auf der dOCUMENTA (13), die 2012 in Kassel stattfand, wurden die eintretenden Besucher von 12 Akteuren, einzeln oder in kleinen Gruppen, umgeben, die sie hör- und fühlbar singend, summend, kriechend, schnalzend in einem choreografisch festgelegten Grundrhythmus umtanzten und dabei versuchten, die Eingetretenen in das Geschehen einzubeziehen. Sehgals Arbeiten bewegen sich zwischen Performance und bildender Kunst und werden häufig als Reflexion über die gesellschaftliche Position der Gegenwartskunst rezipiert.

Tino Sehgal studierte Choreographie und Volkswirtschaftslehre in Berlin und an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Er lebt in Berlin.

Aufführungen

17.04.2015, 18.00 Uhr, Goethe-Uni, IG Hochhaus, Raum 1.411