HessischeTheaterakademie

 
Newsletter Suche

mit Schauspielstudierenden

Der zerbrochne Krug

Heinrich von Kleist

Regie
Oliver Reese

Bühne
Hansjörg Hartung

Kostüme
Raphaela Rose

Musik
Sven Kaiser

Dramaturgie
Sibylle Baschung

Besetzung
Martin Rentzsch, Max Mayer,
Nico Holonics,Bettina Hoppe,
Carina Zichner,
Mitglied des SCHAUSPIELstudio Lukas Rüppel,
Constanze Becker, Anica Happich (HfMDK Schauspiel)

Was lässt sich in Gedanken nicht erfinden?
Zwei Stücke über Justiz. Ein Lustspiel aus dem Jahre 1811 und ein neuer Theatertext von 2014. Zwei Stücke, die unter anderem nach dem Vertrauensverhältnis zwischen modernem Staat und seinen Bewohnern fragen. Zwei Autoren, die sowohl um die Zerbrechlichkeit dieses Verhältnisses wissen wie auch darum, was bei einem tatsächlichen Bruch auf dem Spiel steht – Heinrich von Kleist und Ferdinand von Schirach.

In Kleists tragisch-komischem Stück »Der zerbrochne Krug« liegt nicht nur der nämliche, sondern auch die Welt in Scherben. Das Stück entstand in den Jahren 1802 bis 1811, im Zeitraum der napoleonischen Kriege. Europa war ein einziger Krisenherd. Richter Adam missbraucht in dieser Situation nicht nur sein Amt, sondern auch das Vertrauen von Eve. Um sie sich in ihrem Zimmer gefügig zu machen, verspricht er, ihren Verlobten Ruprecht vom Kriegsdienst zu befreien. Von Mutter Marthe überrascht, flüchtet der Fremde unerkannt durch das Fenster und zerbricht dabei den Krug. Marthe hat Ruprecht im Verdacht. Nun soll Richter Adam den Fall klären und sitzt dabei ungewollt über sich selbst zu Gericht. Mittels eines sprachlichen Feuerwerks an Doppel und Vieldeutigkeit, dichtem Wortwitz und manipulativen Strategien verstrickt Kleist seine Hauptfigur in ein Lügengespinst, lässt sie zappeln im Netz einer Sprache, die verschleiern soll und gleichzeitig enthüllt. Das gesamte Gerichtswesen sowie sein Kontrollsystem erscheinen im »Krug« als äußerst fragwürdige Angelegenheit. Welche Auswirkungen hat das auf Einzelschicksale und das Zusammenleben aller?

Ferdinand von Schirach ist deutscher Strafverteidiger sowie Autor der beiden verfilmten Kurzgeschichten-Sammlungen »Verbrechen« (2009) und »Schuld« (2010). In seinem ersten Theaterstück »Terror« rüttelt von Schirach an nichts Geringerem als dem ersten Artikel des Grundgesetzes beziehungsweise stellt ihn dem Publikum zur Diskussion: »Die Würde des Menschen ist unantastbar«. Das ist natürlich falsch, denn die Würde wird dauernd angetastet. Regierungen haben längst damit begonnen, diesen Grundsatz in Frage zu stellen. Guantanamo ist nur ein Beispiel. Wir leben in einer Demokratie. Wir können entscheiden, wie mit welchem Recht umgegangen werden soll. Und wir müssen uns auch entscheiden.

Vor Gericht steht Lars Koch, Pilot eines Kampfjets der Bundeswehr. Hat er richtig oder falsch gehandelt an jenem Tag, als er ein von Terroristen gekapertes Passagierflugzeug abschoss? Lars Koch musste reagieren. Wie lauteten seine Befehle? Wer entscheidet auf welcher Grundlage über Leben und Tod? Darf Leben gegen Leben, gleich in welcher Zahl, abgewogen werden? Welche Gründe kann es geben, um ein Unheil durch ein anderes, vermeintlich kleineres Unheil abzuwehren?

Oliver Reese, Regisseur und Intendant, wird beide Stücke mit derselben Besetzung als jeweils eigenständige Inszenierungen an zwei aufeinanderfolgenden Abenden auf die Bühne bringen und seine auf Sprachbehandlung konzentrierte Regiearbeit (»Wille zur Wahrheit« (2013), »Die Blechtrommel« (2015) u.a.) konsequent weiterführen.

Aufführungen

07.02.2016, 16.00 Uhr, Schauspiel Frankfurt
09.01.2016, 19.30 Uhr, Schauspiel Frankfurt
31.12.2015, 18.00 Uhr, Schauspiel Frankfurt
13.12.2015, 18.00 Uhr, Schauspiel Frankfurt
16.10.2015, 19.30 Uhr, Schauspiel Frankfurt
08.10.2015, 19.30 Uhr, Schauspiel Frankfurt
02.10.2015, 19.30 Uhr, Schauspiel Frankfurt