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Ponto Performance Preis 2018 an HTA-Studierende verliehen

Jury-Begründung

Der mit 25.000 Euro dotierte Ponto Performance Preis 2018 wird verliehen an die Performance-Künstlerin Caroline Creutzburg, Studierende des Masterprogramms für Angewandte Theaterwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Mit insistierender Diskretion zieht Caroline Creutzburg in ihren Bühnenperformances die Trag- und Aussagefähigkeit von Selbst-Konstruktionen und darüber auch das Theater als gewinnversprechenden Ort der Selbst-Verständigung und -Konstitution in Zweifel. In vielfacher Hinsicht befragen und erkunden ihre Performances dabei den Wert von "Unterhaltung": als scheiternde Form der Begegnung und des Austauschs, als Ort des vermeintlich Banalen, als unmöglicher Raum für implizite Adressierung und Artikulation. In ihrem aktuellen Solo "Nerve Collection", das Caroline Creutzburg bereits im Jahr 2016 zu entwickeln begann und früh in ersten Fassungen präsentierte, spitzt sie auf herausragende Weise als Autorin, Performerin, Musikerin, Bühnen- und Kostümbildnerin ihre Fragen an das Medium Performance in einem sehr persönlichen performativen Manifest zu. Ihre Kommunikation mit dem Publikum macht dabei auf paradoxe Weise deutlich, wie kompliziert, ja unmöglich das Phantasma gelingender Kommunikation ist. Das szenographische Gefüge, in das sich Caroline Creutzburg dabei begibt, verwebt Sprache, Sound, Licht, Objekte und Projektionen behutsam ineinander. Wie bei der Lektüre eines lyrischen Textes ergibt sich ein Bild, das die Anwesenden eben nicht als sich ihrer selbst sicheren Subjekte adressiert und "auf seine Seite zu bringen" versucht, sondern das ein komplexer Organismus sein darf, der sich aus dem Zusammenspiel unterschiedlichster Darstellungsmittel ergibt und Raum greift, ohne dabei gefügig zu machen.

Ponto Performance Preis

2018

Mit dem Ponto Performance Preis 2018 wird die Theaterkünstlerin Caroline Creutzburg ausgezeichnet. Geboren 1985 in Berlin, studierte Caroline Creutzburg zunächst Kostümbild an der Universität der Künste Berlin, bevor sie ans Institut für Angewandte Theaterwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität in Gießen wechselte. Bereits 2010 gewann Caroline Creutzburg mit ihrem Duo mit Objekt „Eine Pistole, ein Tanz, etwas aus Holz, das was kann“ in Kollaboration mit Sophie Reble den Jury-Preis des 100° Festivals in Berlin. Ihre für Ensemble konzipierte Live-Radioshow „B Open“ entstand im Rahmen des Freischwimmer Festivals 2014/15 und tourte im deutschsprachigen Raum. Seit 2016 entwickelt und präsentiert sie ihr Soloformat „Nerve Collection“, das bisher in Berlin, Gießen, Frankfurt, Mannheim und Hamburg zu sehen war und 2017 mit dem Jury-Preis des Körber Studio Junge Regie ausgezeichnet wurde. Parallel zu ihren eigenen Projekten arbeitet Caroline Creutzburg als Performerin, Kostümbildnerin und Sound- oder Lichtdesignerin. Für ihre Performance-Projekte, die Caroline Creutzburg als Initiatorin, Autorin und Performerin konzipiert und realisiert, entwickelt sie Bühnenfiguren, Texte, Kostüme, Objekt-, Klang- und Raumgestaltungen, die sie in sinnlich diskursiven Solos und Ensemblearbeiten zusammenführt. Über die beharrliche Selbstaneignung aller künstlerischen Mittel und die souveräne Virtuosität ihrer Inszenierung positioniert sich Caroline Creutzburg im Grenzbereich der Performance-Traditionen zwischen Bildender und Darstellender Kunst. Dort schafft sie für sich und ihr Publikum subtile Spielräume und Dramaturgien, die es erlauben das Theater als Ort der Identitätskonstruktionen und -konstitutionen gleichermaßen herauszufordern wie zu hinterfragen.